19.06.21 Aktionstag Mietenstopp (Aktion und PM)

19.06.21 Aktionstag Mietenstopp (Aktion und PM)

Zunächst hatten sich rund 20 Aktive um „fünf vor zwölf“ zu einem Kampagnen-Fototermin am Neuen Rathaus getroffen. Mietenstopp-Hände und Banner machten unmissverständlich deutlich, um was es dem Bündnis Gutes Wohnen für Alle geht: Einen sofortigen, mindestens sechsjährigen Mietenstopp und eine Kehrtwende in der Wohnungspolitik. Investoren und der freie Markt verschärfen die Probleme anstatt zu sozialem Miteinander und bezahlbarem Wohnraum beizutragen. Genossenschaftlicher, gemeinwohlorientierter und im besten Fall selbstverwalteter Wohnraum können hingegen Schritte in Richtung Lösung der Wohnkrise sein.

Um 13:00 Uhr ging es dann neben dem Nachbarschaftszentrum in Grone mit einer Kundgebung weiter – in Hörweite zu den umkämpften Adler-Häusern. Vor rund 50 Teilnehmer*innen berichteten Vertreter*innen aus verschiedenen Göttinger Mietinitiativen (Adler, EBV, Coreo, Leineviertel), vom Bündnis Gutes Wohnen für Alle und der AG Soziale Kämpfe der BL von aktuellen Entwicklungen und der großen Bedeutung, sich in dieser Zeit zusammenzuschließen, um die Interessen von Mieter*innen gegen Profit- und Rendite getriebene Immobilieninvestoren zu wahren und durchzusetzen. Drei ausformulierte Redebeiträge gibt es hier zum Nachlesen (EBV, Leineviertel, BL), ebenso die Pressemitteilung des Büdnis Gutes Wohnen für Alle.

Pressemitteilung
Göttingen schwitzt für einen Mietenstopp

„Hände hoch für den MIETENSTOPP“ lautet die Devise bundesweit in über 80 Städten am heutigen Aktionstag für bezahlbares Wohnen. Das Göttinger Bündnis Gutes Wohnen für Alle versammelte zur symbolischen Uhrzeit fünf vor zwölf am Göttinger Rathaus Politik und Mietinitiativen. Anschließend äußerten sich Betroffene von Mieterhöhungen bei einer Kundgebung in Grone. Vor rund fünfzig Teilnehmenden sprachen Mieter_innen des Ado/Adler-Konsortiums, der EBV aus dem Blümchenviertel, von Kündigung bedrohte Wohngemeinschaften aus dem Leineviertel oder Anwohner_innen des Coreo-Wohnhauses in der nördlichen Innenstadt.

„Ohne den gesetzlichen Mietendeckel hätte uns Adler Modernisierungskosten von 70 % aufgebürdet. Ich wehre mich mit dem Mieterverein auch vor Gericht gegen einen neuen Balkon, obwohl ich den bisherigen einwandfrei nutzen kann“, sagt Bärbel Safieh, Bewohnerin der Adler/Ado-Wohnblöcke. „Der Umbau ist eine Katastrophe. Schlecht gesicherte Baustellen, auf denen ich mich verletzt habe, sind lange nicht alles. Meine Wohnung verzeichnet nach Umbau Risse und das Inventar ist ramponiert worden. Dafür will der Vermieter nicht aufkommen“, beklagt eine andere Anwohnerin aus dem Elmweg.

„Home-office, home-fitness, stay home: die Corona Krise hat uns das alles gelehrt. Aber wir als Mieter der EBV aus dem Blümchenviertel haben Zukunftsängste, ob das Viertel noch unser Zuhause bleiben wird, wenn die Wohn-Gesellschaft so weiter macht. Es ist Gentrifizierung pur“, beklagt ein Mieter aus der Weststadt.

„Wir laden alle Ende August ins Leineviertel ein, mit uns die Stimme zu erheben. Schnelle Rendite, Neuvermietung nach Eigenbedarf-Kündigung und noch andere Sauereien machen uns das Wohnen zur Plage. Wir müssen uns vernetzen und mit gemeinsamer Stimme sprechen“, rufen Bewohner von Wohngemeinschaften der Eisenbahnstraße im Leineviertel auf.

„Heute steht uns der Schweiß nicht nur wegen den hohen Temperaturen ins Gesicht. Wir ächzen unter der hohen Mietenlast in Göttingen. 40 % mehr Mietbelastung verzeichnen einige Mietinitiativen am heutigen bundesweiten Aktionstag #MIETENSTOPP. Diese Spirale zulasten der Mieter_innen muss ein Ende haben. Neben wichtigen Maßnahmen wie qualifizierten Mietenspiegel, Rekommunalisierung von Wohnraum, und Ausweitung des Neubaus von sozialem und bezahlbarem Wohnraum fordern wir das sofortige Einfrieren gegenwärtiger Mieten für sechs Jahre“, sagt Agnieszka Zimowska (DGB) für das Bündnis Gutes Wohnen für Alle.

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