13.06.2026 Neu: Wohnraum Atlas Göttingen III – 150 Jahre ungelöste Wohnungsfrage
Der Atlas gibt in 59 kurzen, illustrierten Kapiteln einen Überblick über die Wohnraumversorgung in Göttingen seit der Herausbildung eines kapitalistischen Wohnungsmarktes und des modernen Privateigentums ab Mitte des 19. Jahrhunderts.
Einleitend wird daran erinnert, worin die rechtliche und ökonomische „Natur“ von Wohnungsmiete im Kapitalismus besteht und welche allgemeinen Widersprüche ein auf Privateigentum beruhender freier Wohnungsmarkt notwendig beinhaltet, die Mieterschutz wie Wohnungsbaupolitik erforderlich machen.
Der historische Überblick beginnt im 19. Jahrhundert. Für die jeweiligen Zeitabschnitte werden zunächst allgemeine rechtliche und ökonomische „Rahmenbedingungen“ der nationalen Ebene umrissen, in welche die Entwicklung in Göttingen eingebettet ist. Fotos und Diagramme illustrieren die Entwicklung der Wohnungsversorgung. 11 Karten zeigen das räumliche Wachstum der Stadt seit 1885.
Auf die umfangreiche, staatlich geförderte Wohnungsbautätigkeit der Genossenschaften in der zweiten Hälfte der Weimarer Republik (Göttinger Bau- und Sparverein: u.a. Sültebecksbreite, Goßlerstrasse, Marienstrasse) folgt der Umbau zu einer faschistischen Wohnungspolitik in der NS-Zeit, die auf einen kapitalistischen, freien Wohnungsmarkt setzt, ihn aber staatlichen Zwecken (Bevölkerungs-, Rassenpolitik, Kriegswirtschaft) regulierend unterwirft ( Siedlerstellen Treuenhagen, Egelsberg, Volkswohnungen u.a. Heinrich-Heine-Strasse).
Nach Wiederaufbau, kommunalem und sozialem Wohnungsbau, Ende des „Schwarzen Kreises“, Wirtschaftswunder- Bauboom, Suburbanisierung (Leineberg, Mittelberg, Holtenser Berg), Flächensanierung (Neustadt Westseite) in den 1960er Jahren folgen in den 1970er Jahren Hausbesetzungen und heftige Wohnungskämpfe (Reitstallviertel, Augenklinik, Jüdenstrasse).
Ab den 1990ern wird die Wohnungspolitik verändert zu „mehr Markt“, Privatisierung und Finanzialisierung, Soziale Wohnraumförderung statt sozialem Wohnungsbau. Die Folgen: „Problemimmobilien“ sowie stark steigende Mieten ab 2012/14 führen zu Widerstand, zu Protesten gegen eine erfolglose Politik des bezahlbaren Wohnens und zu konkreten Aktionen, eine gute Wohnungsversorgung für alle jenseits vom Wohnungsmarkt zu verwirklichen.
Das letzte Kapitel fasst zusammen: Die Wohnungsfrage stellt sich notwendig immer wieder. Sie ist struktureller Teil des freien, kapitalistischen Wohnungsmarktes. Die Vermarktlichung der letzten Jahrzehnte zeigen in der steigenden Mietbelastung, wie hoch die Kosten dieser Art der gesellschaftlichen Wohnungsversorgung sind.
Hans-Dieter von Frieling: Wohnraum Atlas Göttingen III – 150 Jahre ungelöste Wohnungsfrage –
Wohnungsbau – Wohnungspolitik – Wohnungskämpfe. Göttingen 2026. 126 Seiten, 203 Illustrationen, 11 Karten
Kostenloser Zugang: https://doi.org/10.23689/fidgeo-11897